Kriegskinder

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Moderator: Fraule

Kriegskinder

Beitragvon remedias » 26. Nov 2013, 15:40

Umbedingt lesenswert, wenn man die "ältere Generation" geboren 1935 - 1945 verstehen will.
Warum sie so auf Sicherheit bedacht ist. Warum sie sich nicht öffnen kann. Warum sie Neid auf ihre Kinder empfinden. Warum sie bloß nicht auffallen wollen. Warum der Kontakt zwischen den Generationen so schwer ist. Die Autorin spürt frühkindlichen Traumen nach, und stellt fest, dass ca. 10% der Älteren ziemlich traumatisiert und 25% in ihrer psychischen Lebenswelt beeinträchtigt sind ( im Gegensatz zu etwa 0,2 % in der Schweiz).
Ich habe das Buch gelesen und meine Eltern sooo wiedergefunden . ( Natürlich waren sie keine Nazis. Sie waren noch zu jung. Aber über diejenigen, die im Krieg noch Kleinkinder waren, gab es bisher wenig Literatur)

Hier nochmals genau: *** Der Link ist nur für Mitglieder sichtbar, zum Login. ***

und wie der Krieg sogar noch die in den Sechziger- und Siebzigerjahren Geborenen überschattet:
Kriegsenkel von der gleichen Autorin ( habe ich noch nicht gelesen).

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Re: Kriegskinder

Beitragvon Fraule » 26. Nov 2013, 15:58

Danke Remi. :blustrau:
Warum sie sich nicht öffnen kann. Warum sie Neid auf ihre Kinder empfinden. Warum sie bloß nicht auffallen wollen. Warum der Kontakt zwischen den Generationen so schwer ist

Mich beschäftigt das Thema auch sehr.

Möchte man doch seinen Kindern keine Ängste "vererben".

Viele machen doch unbewußt genau diesselben Fehler. So denke ich.
Einfach auch, weil man nie darüber redet.........
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Re: Kriegskinder

Beitragvon puma » 26. Nov 2013, 21:45

Meine Eltern waren da so 20 Jahre alt im Nazideutschland.
Vielleicht wird aber auch vergessen, das die 50er Jahre für Viele ein einziges Fest waren. Da wurde gut verdient und es war sicher. Mein Vater ist von einer Party zur anderen gegangen und hat sein Leben z.B. mit sehr vielen Reisen gefeiert.
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Re: Kriegskinder

Beitragvon Maiken » 26. Nov 2013, 22:30

Das stimmt. Und es wurde viel getrunken.
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Re: Kriegskinder

Beitragvon Achtsamkeit » 27. Nov 2013, 14:28

Das hört sich interessant an. Danke für den Tipp.
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Re: Kriegskinder

Beitragvon remedias » 27. Nov 2013, 18:04

Fraule hat geschrieben:Möchte man doch seinen Kindern keine Ängste "vererben".

Viele machen doch unbewußt genau diesselben Fehler. So denke ich.
Einfach auch, weil man nie darüber redet.........


über dieses Thema sagt die Autorin etwas mich sehr Betroffenen machendes, ich zitiere: "Man kann seinen Kindern schaden, ohne Schuld daran zu sein. " ich habe mich bewußt bemüht, einige Fehler zu vermeiden, aber dafür habe ich andere gemacht.
ich denke, besser als dem kind zu vermitteln: "Mir geht es gut!" wenn es mir schlecht geht ( das Kind fällt sowieso nicht drauf rei n ) ist ihm zu vermitteln: "Mir geht es NICHT gut, aber DU bist VÖLLIG unschuldig daran!!!!"

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Re: Kriegskinder

Beitragvon remedias » 27. Nov 2013, 18:11

puma hat geschrieben:Meine Eltern waren da so 20 Jahre alt im Nazideutschland.
Vielleicht wird aber auch vergessen, das die 50er Jahre für Viele ein einziges Fest waren. Da wurde gut verdient und es war sicher. Mein Vater ist von einer Party zur anderen gegangen und hat sein Leben z.B. mit sehr vielen Reisen gefeiert.


bist Du eine Nachzüglerin, Puma?

Über die Flakhelfer- Generation, also diejenigen, die Jugendliche im Krieg waren, gibt es auch Bücher. Die Psychologin sagt über sie, wenn sie ein Trauma hatten, war es ihnen viel bewußter als den kleinen kindern. Gerade sie haben zu den Jüngeren gesagt: "Sei doch froh, du hast doch nicht viel mitbekommen!" Die Jüngeren haben die Zeit der Bildung des Urvertrauens aber im Krieg verlebt.
Für all diese Kinder und Jugendliche fing das Leben wirklich erst in den Fünfzigern an. Sie bezeichnen sich auch als "Kinder der Fünfziger" und versuchten die Zeit, die davor lag, ziemlich erfolgreich zu verdrängen ( Wenn sie dement werden, kommt dann alles wieder hoch!)
Das liegt auch ein bißchen daran, dass sich die Forschung sehr auf die Opfer- kinder konzentriert hat: jüdische Kinder etc. Die Kinder der Täter haben jedoch genauso gelitten und waren ja auch unschuldig.

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Re: Kriegskinder

Beitragvon remedias » 2. Dez 2013, 17:04

bin jetzt dabei die "Kriegsenkel " zu lesen, da geht es um die in den Sechzigern, Siebzigernjahren geborenen. Viele verschiedene Schicksale - aber ja, ich sehe die Ähnlichkeit.
Diese distanz der Eltern, dieses "Es darf einem nicht zu gut gehen", ein Credo, was meine Generation dann verinnerlicht hat, ohne dass sie weiß, warum und woher das kommt; das Phänomen, dass sich intelligente , nette Leute irgendwie immer emotional oder auch beruflich "ausbremsen", das kommt mir sehr bekannt vor.
Und dass die Eltern immer wissen, was das Beste für einen ist und dass sie es nicht verstehen können, dass es einem schlecht gehen kann "Du hast doch alles und bist undankbar.", selbst wenn die Kinder Essstörungen haben oder am Rande des Suizids stehen...
ja, das kommt mir auch bekannt vor.
auch dieses: "Das ist nicht schlimm, stell dich nicht so an, was sollen denn die Nachbarn denken!"
Eine der beschriebenen Fälle hat sich übrigens auch eine Zweitfamilie in Chile gesucht. Sie wurde von der Herzlichkeit und der Einstellung zum Leben total angezogen.

Das Buch trifft auf unsere Generation noch mehr zu als das erste.
Hier:

Sabine Bode: Kriegsenkel
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Re: Kriegskinder

Beitragvon Fraule » 2. Dez 2013, 17:38

Nun habe ich das erste schon als Weihnachtswunsch geäussert Remi.

Meinst Du, dass das 2te besser ist????
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Re: Kriegskinder

Beitragvon puma » 2. Dez 2013, 17:54

Bin ich ein Nachzügler? - weiß nicht Remedias.
Ich bin 58 Jahre, meine Mutter wird 91 Jahre alt.
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