Literaturthread

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Moderator: Fraule

Mann, Thomas / Mario und der Zauberer

Beitragvon Jeniffer » 4. Apr 2011, 18:20

Nun, dann poste ich mal das folgende Buch, das ich gleich beginnen werde, sobald ich meinen Eintrag hier getätigt habe.
Bild
Verlag: Fischer TB
Preis € 5,95
ISBN: 978-3-596-29320-9
107 Seiten

Klappentext
"Gereiztheit, eigentümlich Bösartiges bestimmte von vornherein die Atmosphäre bei diesem Ferienaufent-halt in Norditalien, Mitte der zwanziger Jahre; »diese Leute ... machten soeben etwas durch, so einen Zustand, etwas wie eine Krankheit ..., nicht sehr angenehm, aber wohl notwendig«; das ungute Gefühl wird sich steigern und, nicht nur für die Gäste, durch die alles übersteigernde Gestalt und Wirkung des Zauberers Cipolla, »dieses allzu Sicheren«, zum tragischen, letztendlich jedoch befreienden Ende führen. Mit dem Bemerken, »wer zu gehorchen wisse, der wisse auch zu befehlen, und ebenso umgekehrt; der eine Gedanke sei in dem anderen einbegriffen, wie Volk und Führer ineinander einbegriffen seien, aber die Leistung, die äußerst strenge und aufreibende Leistung, sei jedenfalls seine, des Führers und Veranstalters, in welchem der Wille Gehorsam, der Gehorsam Wille werde«, verlockt und verblendet dieser »Typus des Scharlatans, des marktschreierischen Possenreißers« sein Publikum und hypnotisiert es zu einer »trunkenen Auflösung der kritischen Widerstände«. In Mario, dem jungen Kellner, glaubt er, sich steigernd, schließlich ein Opfer gefunden zu haben, das er aufs tiefste demütigen, ja vergewaltigen kann, ohne mit der Würde des Menschen rechnen zu müssen. Wie stark die »politisch-moralische Anspielung, in Worten nirgends ausgesprochen«, aus dieser Erzählung bereits bei ihrem ersten Erscheinen 1930 wirkte, spiegelt sich in Julius Babs Rezension: »Wenn Mussolini etwas von Kunst verstände, müßte er diese Novelle in Italien verbieten lassen.«

Autorenportrait im Klappentext
"Thomas Mann, 1875 – 1955, zählt zu den bedeutendsten Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. Mit ihm erreichte der moderne deutsche Roman den Anschluss an die Weltliteratur. Manns vielschichtiges Werk hat eine weltweit kaum zu übertreffende positive Resonanz gefunden. Ab 1933 lebte er im Exil, zuerst in der Schweiz, dann in den USA. Erst 1952 kehrte Mann nach Europa zurück, wo er 1955 in Zürich verstarb."

Gestoßen bin ich auf dieses Thema durch ein Hörbuch aus der Bibliothek. Mir hat es ziemlich gut gefallen, und wollte es lesend noch weiter vertiefen.
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Re: Wolf, Christa / Nachdenken über Christa T.

Beitragvon Jeniffer » 4. Apr 2011, 20:15

Ginchen hat geschrieben:
Jeniffer hat geschrieben:..........Es wirkt sehr tiefgründig, was ich ja ganz gerne mag, da ich selbst, auch berufsbedingt, viel reflektiere und tiefgründig bin.

.



Jetzt hast mich neugiereig gemacht.
Was machst Du beruflich?
:aufgeben:


Ich kanns ja hier sagen, geschützter Raum. Schutz vor Google, toll.
Ich bin Dipl.-Päd. und arbeite in einer Tagesstätte für psychisch kranke Menschen. Lies mal meine Vorstellung im User-Portal. Da hatte ich mehr dazu geschrieben.
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Mann, Thomas / Mario und der Zauberer

Beitragvon Jeniffer » 6. Apr 2011, 20:28

Ich habe es gestern Abend geschafft, Mario und der Zauberer zu Ende zu lesen -lesen4: .
Mir ist gar nicht danach, so viel über das Buch zu schreiben. Die Absurdität eines Volkes, wie sie, das Volk, einem Menschen in Beziehung tritt, der nichts anderes ist als eine lächerliche Witz-Figur, ein Komödiant. Vom Volk belächelt und trotzdem bewundert.

Das Buch spielt im italienischen Faschismus, in den 20er Jahren des 20sten Jahrhunderts, in einem fiktiven Dorf in Oberitalien.
Wenn die Jahreszahl nicht im Text dabei stehen würde, wäre ich selbst gar nicht auf den Faschismus gekommen. Es geht um den Protagonisten Cipolla, der als Zauberer auftritt und an einem Abend in einer Veranstaltung das Volk zu hypnotisieren und erfolgreich zu manipulieren versucht. Zauberer und Hypnose, Begriffe, die vom Autor aber mehr als Metapher gebraucht werden, dass der Zauberer Cipolla mit seiner Art Menschen zu unterhalten und ihnen etwas vorzugaukeln gelingt, wie z.B. Magie, Macht… . Dieser Cipolla ist eine hässliche und dumme Witzfigur, die mich derzeit stark an Berlusconi erinnern lässt. Und an einigen Diktatoren wie Hitler, Mao-Zedong ... und erstrecht an Musolini. etc. . Sie haben eine so große Bühne, auf der sie im Mittelpunkt stehen in ihrer Komik, die sie schamlos in aller Öffentlichkeit demonstrieren, so dass jeder weiß, dass man so einen Polit-Menschen nicht ernst zu nehmen braucht, und trotzdem werden diese komischen Figuren vom Volk gewählt, quasi wie verzaubert, wie ihnen ihren Sinnen beraubt, um auf so einen Menschen hereinzufallen. Selbst der Erzähler der Novelle, ein Mann, Frau und zwei Kinder, die als Touristen den Zauberer Cipolla zwar durchschauen, es ihnen aber auch nicht gelingt, die Veranstaltung vorzeitig zu verlassen. Auch sie sind wie verzaubert, obwohl sie diese ganze Theatralik kritisch hinterfragen. Übrigens wurde die Familie dort in Oberitalien nicht gut behandelt, Diskriminierungen waren die Folgen, ohne daraus Konsequenzen gezogen zu haben, wie z.B. vorzeitig den Urlaub abzubrechen und das Land wieder zu verlassen.
Schön aber fand ich wiederum, als die Kinder nach dem merkwürdigen Verhalten der ItalienerInnen fragten, dass die Eltern nicht sagten, dass die ItalienerInnen so schlechte Menschen seien, wie wir das so oft im Alltag zu Menschen anderer Länder so hören, sondern es somit begründeten, weil sich die ItalienerInnen in einer Krise befinden würden.
Der Erzähler glaubt sich in das Zeitalter des 18.Jhrd. zurückversetzt.

Ich finde diesen Zauberer Cipolla recht anstrengend, es war mühsam, ihn lesend auszuhalten :aaaah: . Diese Lächerlichkeit… . Ich hätte ihm so gerne die Bühne genommen, den Vorhang runter gelassen und aus und vorbei... . Licht ausgeschaltet und das Volk nach Hause geschickt :biggrinn: :biggrinn: :biggrinn: .

Dann gab es noch eine Szene, die mich recht berührt hat, die Dummheit eines Volkes, über die ich aber noch nicht schreiben kann, da ich sie noch verarbeiten möchte. Diese Szene bewegt sich immerfort vor meinem geistigen Auge. Permanent sehe ich das Szenen- Bild vor mir. Immer wieder und immer wieder, wohl solange, bis das Bild irgendwann von alleine schwächer wird und vollends verschwindet.

Und der Mario? Was spielt Mario für eine Rolle? Kurze Antwort. Eine sehr große und wichtige Rolle. Aber lest selbst. Er hat dem Zauberer völlig unerwartet etwas Scheußliches angetan, etwas, was juristisch gesetzeswidrig ist, aber mit seiner Tat habe ich mich als Leserin befreit gefühlt.
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Re: Literaturthread

Beitragvon Fraule » 6. Apr 2011, 20:37

Oh je, ich glaube auch nicht, dass ich zu jenen Charakteren gehören würde, die eine Machtpossition Ihr Unwesen treiben lassen würde.
Die Würde des Menschen ist unantastbar...
Da geht es um Willen und Rückgrad brechen, den Widerstand niederkämpfen, um die Menschen vermutlich wie eine :boymarionette: zu führen.

Waren die Menschen nicht reif für Freiheit??
Das Feld der Philosophie lässt sich auf folgende Fragen bringen:
Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen?
Was ist der Mensch?

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Re: Literaturthread

Beitragvon Jeniffer » 6. Apr 2011, 20:40

Fraule hat geschrieben:Oh je, ich glaube auch nicht, dass ich zu jenen Charakteren gehören würde, die eine Machtpossition Ihr Unwesen treiben lassen würde.
Die Würde des Menschen ist unantastbar...
Da geht es um Willen und Rückgrad brechen, den Widerstand niederkämpfen, um die Menschen vermutlich wie eine :boymarionette: zu führen.

Waren die Menschen nicht reif für Freiheit??


Hm, die Menschen waren gar nicht unterdrückt, sie waren einfach nur zu doof, und sind auf den Gauckler reingefallen. Das hatten wir doch schon garnz oft in der Geschichte. Auch in Italien gibt es eine Masse auf dem Niveau eines Bild-Zeitungs-Leser. Es gibt nirgends bessere Menschen.
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Re: Literaturthread

Beitragvon Fraule » 6. Apr 2011, 20:46

Sind Sie auf die vorgespiele Welt hereingefallen? War die leichter zu ertragen als die Reale?
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Re: Literaturthread

Beitragvon Jeniffer » 6. Apr 2011, 21:15

Fraule hat geschrieben:Sind Sie auf die vorgespiele Welt hereingefallen? War die leichter zu ertragen als die Reale?


Lach, sicherlich.
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Re: Literaturthread

Beitragvon Fraule » 7. Apr 2011, 18:01

www.youtube.com Video From : www.youtube.com
:aufgeben:
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Re: Literaturthread

Beitragvon Jeniffer » 7. Apr 2011, 18:35

Hallo Fraule,
da passiert nx. Platte hängt irgendwie.

Wie ist es eigentlich mit dem Copyright? Kann man einfach youtube kopieren? Nicht dass ihr Ärger bekommt.
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Re: Literaturthread

Beitragvon Fraule » 7. Apr 2011, 18:37

Ja kann man einfügen Jeniffer keine Angst.

Ich kanns wieder löschen :blustrau:

Ich wollte damit kundtun, dass es eben heute auch noch Bauernfänger gibt.......
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