Eine seltsame Ernährungsgeschichte.....

Diäten, Rezepte... (sichtbar)

Moderator: Fraule

Eine seltsame Ernährungsgeschichte.....

Beitragvon remedias » 7. Aug 2013, 21:40

Ich lernte in der psychosomatischen Klinik viel über Entspannung, Stress und Schmerzen und machte sanfte Bewegung ( Qui Gong), also keinen Auspower- Sport. Ich hatte Massagen, Entspannungspraktiken und Psychotherapie.
Die Klinik war privat und das Essen war gut und reichlich. Morgens gab es tropische Früchte zur Auswahl, Müsli, Körner, Quark und Joghurt, Brötchen, Butter und Marmelade - ich frühstückte ausführlich , aß mein vegetarisches Mittagessen mit Nachtisch, aß mit gutem Hunger zu abend , manchmal sogar Bratkartoffel .( Schmerzpatienten sollen den Blutzuckerspiegel konstant halten, es werden langkettige Kohlenhydrate empfohlen, also Kartoffel, Naturreis und Vollkornnudel, keinesfalls low carb.....)
Ich war immer gut satt, habe niemals gehungert, Kalorien gezählt oder Mahlzeiten ausfallen lassen.....
Und nun das Seltsame: Ich hatt e mich Ende der ersten Woche gewogen - und hatte in dieser Woche zwei Kilo abgenommen. ( nein, das lag nicht an einer anderen Waage, es war meine Waage zuhause).
Am Ende der zweiten Woche habe ich insgesamt 3 Kilo abgenommen . Es ist kein Wasser, ich merke es an meinem Hosenbund. Als ich in die Klinik gegangen bin, war mein Ziel überhaupt nicht, abzunehmen. Mein Ziel war ganz klar, zu lernen, mit meinen chronischen Schmerzen besser umzugehen. Das eine scheint aber irgendwie an das andere gekoppelt zu sein.
Cortisolspiegel....? oder sonst was....da gäbe es noch viel zu forschen, nicht immer nur an der Kalorien- Schraube drehen. Ich wende Entspannungsverfahren an, keinen Sport. Ich nehme mir jeden Tag eine dreiviertel Stunde dafür Zeit.
Der einzige Wermutstropfen. Im Arztbrief stand die unvermeidliche Adipositas- Diagnose mit dabei, Adipositas durch übermäßige Kalorienzufuhr. Dabei habe ich eine medikamenteninduzierte Adipositas, was eigentlich anders codiert werden müßte.
Trotzdem werde ich weiterhin nichts mehr versuchen, abzunehmen. Entweder will mein Körper weiter abnehmen oder auch nicht. Das überlasse ich ihm.
Vorhin freute ich mich auf mein Abendessen. Das hatte ich mir jahrelang verkniffen.
Ich habe mir ein halbes Brötchen , eine Tomate, einige Oliven, zwei Esslöffel griechischen Joghurt und ein fünf Würfel Gouda ( 50% Fett, nicht dieses Analog- Zeug, was sich sonst Käse schimpft) gerichtet
und alles aufgegessen :s1:

liebe Grüße Remi

PS Habe jetzt mit zwei BMI- Rechnern mal nachgerechnet. Bin im Übergewicht- Bereich, es ist aber noch keine Adipositas. Da war die Ärztin arg streng.....
Für jedes komplexe Problem
gibt es immer eine einfache Antwort,
die klar ist, einleuchtend und falsch.

H.L. Mencken
Benutzeravatar
remedias
Forenlegende
Forenlegende
 
Beiträge: 5074
Registriert: 04.2011
Wohnort: Am Ostseestrand
Geschlecht: weiblich

Re: Eine seltsame Ernährungsgeschichte.....

Beitragvon puma » 7. Aug 2013, 22:31

Das passt alles zu meinem neuen Buch: Mythos Übergewicht von Achim-Peters.

Auf S. 102 steht:
"Bauchfettgewebe wachsen zu lassen, ist eine wesentliche Strategie des gestressten Gehirns, seine eigene Energieversorgung abzusichern." ...
"Kommen wir noch einmal darauf zurück, dass hohe Belastungen des Stresssystems mit Energieversorgungsengpässen des Gehirns eng verknüpft sind. Denn ein gestresstes Gehirn hat einen höheren Energiebedarf als ein nicht gestresstes. Dabei geht es nicht darum, wie stressig die Lebensumstände eines Menschen von außen betrachtet sein mögen. Es zählt einzig und allein, wie das Stresssystem eines Menschen reagiert - fährt es dauerhaft hoch, oder bleibt es in seiner Ruhelage? .... Es gibt durchaus Menschen, die unter hohen beruflichen Anforderungen völlig unauffällige Cotisolwerte aufweisen."

S. 126 u. und S. 127:
"Solange Ärzte von dem widerspruchsbebehafteten Konzept ausgehen, nach dem Starkgewichtige mit Diätprogrammen behandelt werden sollten, so lange werden ihre Patienten bei de Compliance zwangsläufig versagen. Nicht, weil sie willensschwach oder inkompetent wären. Dagegen sprechen eindeutig die klinischen Daten. Sondern weil ihr Gehirn ein größeres Nahrungsangebot benötigt, als eine Diät ihm zugestehen will. Anders gesagt: Der erhöhte Kalorienbedarf dieser Menschen ist eine biologische Notwendigkeit. Damit stabilisiert sich ihr Hirnstoffwechsel unter stressvollen Lebensumständen. Das müssen wir Ärzte als Erste anerkennen, um diese Patienten als das zu sehen, was sie sind: Menschen, die in einem Unfeld mit starken psychosozialen Stressoren leben.... Nur auf der Basis werden wir sie auch angemessen behandeln, anstatt sie vorzuverurteilen."

Als größte Stresszustände nennt der Autor auf S. 161:
Einsamkeit, Armut, Arbeitslosigkeit, Arbeitsstress (Überforderung, geringe Einflussnahme), Partnerschaftskonflikte.

Sehr erschreckt hat mich, dass Menschen, die zu sehr hungern, ihre Gesundheit riskieren. So wurden die inneren Organe von Hungeropfern entnommen. Das Gehirn war gleich schwer, die inneren Organe wie Leber usw. waren deutlich geschrumpft, so dass diese Menschen an Organversagen gestorben sind. Das Gehirn holt sich seine Energie aus Haut, Muskeln und Organen, wenn der Mensch hungert. Selfish brain - "Das egoistische Gehirn" war dann auch ein Buch von seiner Forschungsgruppe.
Benutzeravatar
puma
Forenprofi
Forenprofi
 
Beiträge: 4224
Registriert: 05.2011
Wohnort: Westfalen/Deutschland
Geschlecht: weiblich

Re: Eine seltsame Ernährungsgeschichte.....

Beitragvon remedias » 8. Aug 2013, 13:48

O ja, dann sind meine Erfahrungen also bekannt unter Wissenschaftlern? Und wieso quälen sie die Leute dann mit kontraproduktiven Diäten?
( kontraproduktiv in dem Sinn, dass eine Gewichtsabnahme bei strenger Disziplin sehr wohl gelingt. Ich sage dann nichts mehr drauf, nur: Wir sprechen uns in 2 Jahren wieder. In 96% aller Fälle sieht der Mensch dann aus wie vorher oder ist sogar noch dicker geworden. )
Dann würde mich noch die Rolle von Neuroleptika interessieren. Eigentlich sollen sie ja den Stress-Level erniedrigen. Sie scheinen ihn aber dann doch zu erhöhen oder vielleicht reagiert das Gehirn, wenn Dopamin weggenommen wird, mit Stress, weil sein wichtigster Neurotransmitter verschwindet ( leider nicht nur im gewünschten Bereich, sondern die jetzigen Medikamente sind mehr so ein Körper-Rundschlag) Vielleicht fordert das Gehirn dann mehr Energie an, weil es glaubt, es hat Energiemangel und bringt den Körper dazu, mehr zu essen bzw. die gegessene Nahrung einzulagern, indem der Stoffwechsel runtergefahren wird?
Da sollte mal geforscht werden!!!!!

liebe Grüße remi
Für jedes komplexe Problem
gibt es immer eine einfache Antwort,
die klar ist, einleuchtend und falsch.

H.L. Mencken
Benutzeravatar
remedias
Forenlegende
Forenlegende
 
Beiträge: 5074
Registriert: 04.2011
Wohnort: Am Ostseestrand
Geschlecht: weiblich

Re: Eine seltsame Ernährungsgeschichte.....

Beitragvon Fraule » 8. Aug 2013, 13:58

Jeder Körper verstoffwechselt die verschiedene Nahrung anderst.
Ich glaube, dass es Lebensmittel gibt, die jeder Körper anderst verträgt und verstoffwechselt.
Manche könnten so,z.B von Tomaten dick werden......
Nun ich hab das mit Methabolic probiert und es hat geholfen.
Das Feld der Philosophie lässt sich auf folgende Fragen bringen:
Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen?
Was ist der Mensch?

Immanuel Kant
Benutzeravatar
Fraule
Foren-Team
Foren-Team
 
Beiträge: 15180
Registriert: 03.2011
Highscores: 7
Geschlecht: weiblich

Re: Eine seltsame Ernährungsgeschichte.....

Beitragvon Merida » 8. Aug 2013, 14:17

"Hungern" ist auf jeden Fall nicht der richtige Weg - ich denke da sind wir uns alle einig.
In der letzten Kur von meiner Mutter wurde ihr erklärt: sie müsse gut und ausgewogen essen - 3 ordentliche Mahlzeiten pro Tag. Trotz jahrelangen Cortison nahm sie tatsächlich ab... Also was steckt dahinter? Hoffe ich bekomme es in Worte gefasst. Unser Körper braucht die Nahrung um "arbeiten" und "verwerten" zu können. Wenn er nichts bekommt geht er NICHT an die Fettreserven sondern lagert ALLES EIN sobald er Nahrung bekommt - also genau das Gegenteil von dem was wir eigentlich wollten... Fazit: Hungern ist der falsche Weg. Gesunde und ausreichende Ernährung dagegen Gold wert.

"Verbote" sind negativ behaftet und stressen unser Gehirn - also alles ist erlaubt aber die Menge machts...
Benutzeravatar
Merida
 
Highscores: 51

Re: Eine seltsame Ernährungsgeschichte.....

Beitragvon remedias » 9. Aug 2013, 18:05

ich meinte ja auch nicht, dass es eine Allgemeinlösung gibt. Vermutlich gibt es soviele Gründe fürs Dicksein, wie es dicke gibt. Bei dem einen ist es eine Nahrungsunverträglichkeit, beim anderen der erhöhte Cortisolspiegel. Liegt es an letzterem, helfen Entspannungsverfahren wunderbar. Bei Fraule half es, bestimmte Nahrungsmittel wegzulassen. Ich meinte nur, dass dich Medizin und Industrie einseitig auf die Kalorienzufuhr konzentrieren. Kein Wunder, es ist ein Millionengeschäft.

liebe Grüße Remi

Im Moment spare ich weder an Menge oder lege mir Verbote auf. ich habe seit langem nicht mehr so gut gegessen und kann zugucken, wie ich abnehme. Dagegen habe ich in der REHA, als ich auf 1400 kg gesetzt wurde, zugenommen und das nicht wenig, in der Klinikzeit 9 Kilo.. Schon seltsam, nicht?
Für jedes komplexe Problem
gibt es immer eine einfache Antwort,
die klar ist, einleuchtend und falsch.

H.L. Mencken
Benutzeravatar
remedias
Forenlegende
Forenlegende
 
Beiträge: 5074
Registriert: 04.2011
Wohnort: Am Ostseestrand
Geschlecht: weiblich

Re: Eine seltsame Ernährungsgeschichte.....

Beitragvon Fraule » 9. Aug 2013, 18:23

Ja remi- das ist doch schööön. :mauridia_21:
Das Feld der Philosophie lässt sich auf folgende Fragen bringen:
Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen?
Was ist der Mensch?

Immanuel Kant
Benutzeravatar
Fraule
Foren-Team
Foren-Team
 
Beiträge: 15180
Registriert: 03.2011
Highscores: 7
Geschlecht: weiblich

Re: Eine seltsame Ernährungsgeschichte.....

Beitragvon Merida » 9. Aug 2013, 20:31

Stimmt Remi, eine Allgemeinlösung gibt es nicht. Ich meinte meinen Beitrag auch keinen Fall als Kritik.
Ich denke auch, dass sowohl das Ab- als auch das Zunehmen eine sehr individuelle Geschichte sein kann. Jeder muss da sein persönliches "Wohlfühlprogramm" finden um sich nach seinen eigenen Masstäben positiv verändern zu können.
Benutzeravatar
Merida
 
Highscores: 51

Re: Eine seltsame Ernährungsgeschichte.....

Beitragvon remedias » 12. Aug 2013, 14:38

Der Gewichtsverlust liegt jetzt bei 6 Kilo.

liebe Grüße Remi

Wenn sich einer für meine Entspannung interessiert. *** Der Link ist nur für Mitglieder sichtbar, zum Login. ***

ist zwar als Vorbeugung gegen Kopfschmerzen gedacht, da ich aber ähnlich gestrickt bin wie Kopfschmerzpatienten, profitiere ich genauso davon.
Für jedes komplexe Problem
gibt es immer eine einfache Antwort,
die klar ist, einleuchtend und falsch.

H.L. Mencken
Benutzeravatar
remedias
Forenlegende
Forenlegende
 
Beiträge: 5074
Registriert: 04.2011
Wohnort: Am Ostseestrand
Geschlecht: weiblich

Re: Eine seltsame Ernährungsgeschichte.....

Beitragvon Fraule » 12. Aug 2013, 14:42

Danke Dir remi :blustrau: :blustrau:
Das Feld der Philosophie lässt sich auf folgende Fragen bringen:
Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen?
Was ist der Mensch?

Immanuel Kant
Benutzeravatar
Fraule
Foren-Team
Foren-Team
 
Beiträge: 15180
Registriert: 03.2011
Highscores: 7
Geschlecht: weiblich

Nächste